Kritische Anmerkungen zum Artikel: Ist Wirtschaftswachstum
schädlich? Von Kai Carstensen und Karl-Heinz Paqué
In ihrem Artikel stellen die beiden Wissenschaftler
folgende These in den Vordergrund: „Wirtschaftliche Freiheit ist die
Voraussetzung für Wachstum“. Aus meiner Sicht verkennen die beiden, dass wir
schon lange nicht mehr die Wahl haben, wie wir Wachstum gestalten wollen,
sondern dass wir in wenigen Jahren vor so gravierenden Problemen stehen werden,
dass es die vielbeschworene Freiheit nicht mehr geben wird. Heute basieren 90
Prozent aller Produkte auf der Verfügbarkeit des billigen Rohstoffes Öl
(Quelle: Bericht der Bundeswehr). Selbst wenn man Experten für Peak Oil als
„Apokalyptiker“ verharmlost, bleibt ein Fakt bestehen: In wenigen Jahren werden
Staaten wie Deutschland nur noch sehr teures Öl importieren können. Die Zeit
für ein Umdenken ist also jetzt schon längst angebrochen. Wirksame Maßnahmen
sollten laut dem US-Wissenschaftler Robert Hirsch bereits 20 Jahre vor der
Krise eingeleitet werden, da die Umstellung viel Zeit und Geld erfordert. Alternativtechnologien,
wie beispielsweise Fracking, sind derzeit weder ausgereift noch für Deutschland
einsetzbar.
Auch vergleichen die beiden Herren Äpfel mit Birnen, wenn sie die
Kompetenz der Gesellschaft bezüglich einer funktionsfähigen neuen Infrastruktur
für Energietransporte in Frage stellen. Als Begründung nennen sie das Scheitern
der großen Bauprojekte wie der Flughafen Berlin oder Stuttgart 21. Das
Scheitern dieser Projekte liegt an den politischen Rahmenbedingungen der Vergabepraxis
sowie der Managementmethodik und nicht an der Größe öffentlicher Bauvorhaben.
Eine realistische Summe wird von vorneherein nicht genannt und mit dem
Billig-Bieter-Prinzip nicht auf Qualität gesetzt. Der Artikel weckt bei mir
leider den Eindruck, Angst schüren zu wollen. Eine sachliche Auseinandersetzung
mit Argumenten findet nicht statt. Mittlerweile gibt es viele Menschen, die
auch ohne Gehirnwäsche Alternativen für eine Zukunft ohne „schneller- höher-
weiter“ entwickeln können.
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